AND NOW THE END IS NEAR…

Die Aula des FAL-BK hatte sich auf magische Weise in einen Thronsaal verwandelt. Was sollte das denn?
Nun, am 31.Januar 2020 wurden zwei Menschen in den Ruhestand versetzt, die das Berufskolleg über Jahrzehnte
mitgestaltet und geprägt hatten.

Zu Ehren von Ortrud Gernand und Michael Lumer hatte das Kollegium einen roten und einen blauen Thron auf die
Bühne der Aula gestellt, um die beiden angemessen feiern zu können. Ein paar Tage zuvor hatte Frau Gernand
schon mit den Deutsch- und Englischlehrer*innen in kleinerer Runde ihren Abschied gefeiert. Zu diesem Anlass
hatten beide Fachschaften ihr ein Lied gesungen: „Bye, bye Love“ von den Everly Brothers, umgedichtet zum
Anlass ihrer Pensionierung. In der ganz großen Runde ehrten nun Frau Allstadt und Frau Knüfermann ihre Kollegin
mit der „Welturaufführung der OG-Rede“, einer von Heinz Erhardt inspirierten Ode an Ortrud Gernand, in der
jedes Wort entweder mit dem Buchstaben O oder G begann.

Herr Lienz aus der Abteilung der Augenoptik bedachte Frau Gernand mit der „ultimativen Lobhudelei“, wie man
sie aus der Sendung „Zimmer frei!“ noch kennt, und auch der ehemalige Schulleiter Kempken fand passende
Worte zur Verabschiedung. Er erinnerte sich daran, wie er Frau Gernand im Jahr 1982 kennenlernte, als sie als
fünfte Frau an der Schule startete. Da sie ursprünglich Gymnasiallehrerin war, war sie damals im Kollegium
nicht nur nicht sehr willkommen, sondern man sagte ihr auch keine lange Verweildauer voraus. Man sollte sich
täuschen… Es gefiel ihr so gut, dass sie blieb und zusätzlich eine Lehrbefähigung für Holztechnik erwarb.

Schließlich fand Herr Hoffmann, der stellvertretende Schulleiter, noch sehr emotionale Worte zu Ehren seiner
Kollegin:Als er 1997 ans FAL-BK kam, waren Ortrud Gernand und der ehemalige Kollege Heinz Strohm seine
„Homebase“ – die Menschen, die ihn fast wie Eltern immer unterstützten in der ersten, unübersichtlichen Zeit
an der neuen Schule.

Und da Frau Gernand „ganz schlimm Feminismus“ hat, bekam nicht sie, sondern ihr Mann Detlef zum Schluss
einen großen Blumenstrauß.

 

Im Falle von Michael Lumer, der seit dem 1.2.1984 am FAL-BK unterrichtete, bekam allerdings seine Frau die
Blumen. Genau wie Frau Gernand durfte auch er auf der Bühne auf seinem Thron Platz nehmen, als seine
Metallabteilung sich von ihm verabschiedete. Herr Radtke, der von Herrn Lumer die Leitung der Metallabteilung
übernimmt, stellte seine Kolleg*innen in den blauen Jacken als „Freiwillige Armee Lumer“ (FAL) vor, die fast so
gefürchtet sei wie die Templer. Nicht zufällig sei Herrn Lumers Kürzel LUM im Namen der Illuminati versteckt!
Während Herr Radtke anekdotisch den Werdegang seines ehemaligen Bereichsleiters skizzierte, bekam dieser
nach und nach königliche Accessoires übergeben: einen 30er Doppelmaulschlüssel als Zepter für seine dreißig-
jährige Tätigkeit als Bereichsleiter, einen Pneumatikkolben als Reichsapfel, eine Schutzbrille für den Durchblick
und einen Gießermantel als Symbol dafür, dass er seinen Bereich immer gut geschützt hat.

Dass Herr Lumer auch unter seiner Schülerschaft sehr geschätzt war, bewies Herr Radtke – übrigens ebenfalls
ein ehemaliger Schüler Lumers – mit einem T-Shirt, dass Schüler einst für Herrn Lumer gestaltet hatten. Auf
dieses Shirt gedruckt ist ein typischer Spruch Michael Lumers: „Wie schnell ist wieder nix passiert?“

Besonders beeindruckend war das Geschenk, das die Metallabteilung für Herrn Lumer kreiert hatte: Ein über-
dimensionales Schloss, auf dem eine Katzenkopf zu sehen ist. Im Bart des dazugehörigen Schlüssels lassen sich
die Buchstaben FAL ablesen, im Schlüssel selber die Worte „Stück davon“. Schloss und Schlüssel erinnern an
den Gruß, an dem Schlossermeister echte Schlossergesellen auf der Walz erkennen konnten. Der Meister grüßte:
„Katzenkopf?“, der Geselle antwortete: „Stück davon!“

Zum Abschluss dieser kurzweiligen Abschiedsfeier mit verschiedensten Reden, Anekdoten, Zauberkunststücken
und Körben von Geschenken betraten die beiden Hauptpersonen schließlich gemeinsam die Bühne, um sich für
alles zu bedanken. Frau Gernand bekannte, dass sie sich schon die ganze Woche über in einer sehr emotionalen
Grundstimmung befände und das alles noch gar nicht richtig glauben könne.

Nachdem Schulleiter die Urkunden zur Pensionierung überreicht hatte, ertönte schließlich zum angemessen
feierlichen Ende der Veranstaltung die betrunkene Stimme von Sid Vicious aus den Lautsprechern der Aula.
Frau Gernand und Herr Lumer rockten auf der Bühne zu „My Way“ von den Sex Pistols – nach wenigen Takten
sprang das Publikum auf und tanzte begeistert mit. Ein würdiger Abschluss für ein langes Schulleben.

Julia Doppelfeld
 
 
 


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