Der Literaturkurs auf dem Theaterfestival „Wundertüte“

Als im Schuljahr 2018/19 der allererste Abitur-Bildungsgang startete, ergab sich die Notwendigkeit eines Literaturkurses. Denn alle Schüler*innen, die auf ihren ehemaligen Schulen schon eine zweite Fremdsprache gelernt hatten, sollten die Wahl haben, erneut einen Französischkurs belegen zu können oder sich alternativ für das Fach „Literatur“ zu entscheiden.
So kam es, dass ich Ende August 2018 zunächst mit sieben, dann kurze Zeit später mit acht Schüler*innen unseren ersten Literaturkurs begann. Im ersten Jahr steht laut Lehrplan das Thema „Theater“ im Fokus. Zum Glück gibt es in unserem Kurs Schüler*innen mit Bühnenerfahrung. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass es mir ohne die Hilfe von Hilal Ahmetoğlu und Leon Hochhäuser sehr viel schwerer gefallen wäre, diejenigen zu motivieren, die noch gar nicht gespielt hatten – und von alleine vielleicht auch nicht auf die Idee gekommen wären.
Im zweiten Halbjahr sieht der Lehrplan vor, dass ein Stück geschrieben und aufgeführt wird. Nach einer Idee von Lennard Hoffmann schrieben wir zunächst gemeinsam ein Stück, das wir am Ende des Schuljahres in der Schule aufführen wollten. Als ich auf das Theaterfestival „Wundertüte“ aufmerksam wurde, entschieden wir gemeinsam, uns dort anzumelden. Rückblickend finde ich die Idee, sich mit dem allerersten selbstgeschriebenen Stück auf einem richtigen Theaterfestival anzumelden, erschreckend kühn. Ziemlich direkt nach der Anmeldung merkten wir dann auch, dass unser Stück nicht so richtig gut war. Noch kühner beschlossen wir daraufhin, alles hinzuschmeißen und neu zu starten – und das zwei Monate vor dem Festival! Ausgehend von einer Kurzgeschichte der finnischen Autorin Rosa Liksom konzipierten wir unser neues Stück, legten die Rollen fest und schrieben Rollenbeschreibungen. Schließlich verfasste Leon Hochhäuser das Skript.
Wegen der Osterferien hatten wir schließlich nur noch sechs Wochen Zeit, bevor wir auf dem Festival auftreten sollten. Huch!
Wir hatten jedoch das große Glück, dass die Organisator*innen des Instituts für Theaterpädagogik „Theatervolk“ uns einen Theatercoach an die Seite stellen konnten. Oliver Kotzem begleitete uns im Unterricht in den Wochen vor der Aufführung; ohne ihn hätten wir das Ganze mit Sicherheit nicht wuppen können. Er gab uns Tipps, forderte uns und verbrachte Christi Himmelfahrt mit uns zum Proben. Wir hatten einen Riesenspaß!
Dann kam der langersehnte und gleichzeitig gefürchtete Tag der Aufführung im Kulturspielhaus Rumeln. Außer uns traten noch vier weitere Schulen dort auf. Wir waren allerdings das einzige Berufskolleg. Außerdem waren wir die einzige Truppe, bei der auch die Lehrerin mit auf der Bühne stand. Das ergab sich hauptsächlich aus der Tatsache, dass unser Kurs so klein ist.
Alle waren sehr aufgeregt, aber die tollen technischen Voraussetzungen (professionelle Bühne, Beleuchtung und Technikerin) wirkten motivierend. Gemeinsam hibbelten wir im Backstagebereich und als es dann endlich auf die Bühne ging, lief alles wie am Schnürchen. Ruckzuck war das Stück schon wieder vorbei (gut, es dauert auch tatsächlich nur eine halbe Stunde…) und am Ende waren wir alle unglaublich euphorisiert. Einige hätten sich am liebsten direkt wieder auf die Bühne gestellt. Nächste Runde! Applaus berauscht eben.
Natürlich soll unser Stück nicht nur einmal aufgeführt worden sein. Das wäre viel zu schade. Aktuell planen wir eine Aufführung in der Schule, die vermutlich vor den Herbstferien stattfinden soll.
Abschließend möchten wir uns bedanken beim Institut für Theaterpädagogik „Theatervolk“, allen voran Frau Tomberg und Herrn Menzel-Bösing. Und natürlich bei unserem großartigen Coach Oliver Kotzem!

 

Julia Doppelfeld



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